Auf dem Zenit des Erfolges durften sich die Karl May Spiele und ihre Galionsfigur Erol Sander im Spätsommer 2009 wähnen. Mit 320.339 Zuschauern fanden so viele Besucher den Weg in die Kalkbergarena wie nie zuvor. Dieser Erfolg stellte natürlich auch gleichzeitig eine Hypothek dar: man gewöhnt sich schnell an den Erfolg und ebenso schnell wächst die Erwartungshaltung dieses Niveau dauerhaft zu etablieren. Im Jahr 2011 feierten die Spiele darüber hinaus ihr 60 jähriges Jubiläum. Zur Aufführung kam anlässlich dieses Ereignisses „Der Ölprinz“. Eines der wenigen Karl May Bücher, das den Namen einer Schurken-Figur trägt.

Das für den Erfolg viele Faktoren passend zueinander kommen müssen beweist das angebrochene zweite Jahrzehnt des neuen Jahrtausends. In den ersten drei Spielzeiten waren die Zuschauerzahlen – wenn gleich auch auf hohem Niveau –  rückläufig. Wurden 2010 bei „Halbblut“ noch 307.787 Besucher gezählt so erlebten 2012 290.875 Zuschauer die Abenteuer der Blutsbrüder in „Winnetou II“. Rund neun Prozent rückläufige Besucherzahlen sind gewiss kein Beinbruch und stellen die Spiele auch nicht vor substanzielle Probleme. Außerdem bewiesen die Verantwortlichen Mut zum Risiko in der Wahl der Aufführungsstoffe: „Halbblut“, „Der Ölprinz“ und „Winnetou II“. Gerade der letztgenannte Stoff wird nur selten auf Bühnen dargeboten und gilt bei einigen Mitbewerbern gar als Kassengift. Hier muss man relativieren: mit 290.875 Besuchern hat die Wirkung des „Kassengifts“ wohl deutlich nachgelassen. Die Besucherzahl lag immer noch in einer Dimension, die sich mancher Veranstalter nur in seinen kühnsten Träumen wünschen kann. Die Liste bekannter Gastdarsteller konnte erfolgreich fortgeschrieben werden: mit Ingo Naujoks, Eva Habermann, Marek Erhardt, Markus Majowski, Timothy Peach, Mola Adebisi und nicht zuletzt der Rückkehrerin Dunja Rajter tauchten erneut aus Film und Fernsehen bekannte Gesichter in der Arena auf. Den Vogel schossen die Veranstalter aber mit den Verpflichten im Frühjahr 2013 ab: mit Gojko Mitic und Wayne Carpendale konnten zwei Erfolgsgaranten früherer Spielzeiten verpflichtet werden. Man durfte gespannt sein ob und wann ein erneuter Turn-Arount stattfinden würde oder ob die Zahlen rückläufig bleiben würden. Zumal die Schaffensphase Erol Sanders am Kalkberg im Sommer 2012 ein abruptes Ende fand. Die Gründe hierfür sind für die Öffentlichkeit immer noch nicht vollständig klar. Hat der Star in den Vertragsverhandlungen schlicht zu hoch gepokert? Wollte man wie 1986 in Elspe eine übermäßige Abhängigkeit vom großen Star vermeiden? Gab es zwischenmenschliche Probleme? Niemand vermag es mit Sicherheit zu sagen, zu unterschiedlich fielen die Meldungen aus. Aber sehen wir es positiv: absolute Gewissheit würde den Anhängern und Freunden der Bühne jede Grundlage für Fantasien, Spekulationen und eigenen Theorien rauben. Halten wir uns also an die Fakten. Seit  Juni 2013 reitet mit Jan Sosniok ein neuer ebenfalls dem breiten Fernsehpublikum bekannter Darsteller am Kalkberg. Eingerahmt wurde der neue Winnetou von einem selten gut besetzten Ensemble und bestritt bei anfänglich sehr wechselhaftem Wetter seine erste Saison am Kalkberg. Was nun passierte hatte wohl niemand erwartet: das neu formierte Ensemble eroberte sich die Herzen des Publikums im Sturm und schloss die Saison mit einem neuen Allzeit-Rekord ab: 322.424 Zuschauer ließen sich die Abenteuer von Sosniok @ Co nicht entgehen. Die Abschlussveranstaltung geriet zur Triumpf-Feier. Nicht wenige fragten sich ob dieser Rekord noch überbietbar sein könnte. Doch unverhofft kommt oft. Bereits in der folgenden Spielzeit 2014 legte man die Rekordmarke noch einmal deutlich höher: 329.393 Besucher genossen “Unter Geiern – Der Geist des Llano Estacado”. Angesichts einer für unser Land nicht unerfolgreichen Fußballweltmeisterschaft, der eher selten gespielten Buchvorlage und einer sich latent verschlechternden Großwetterlage im letzten Viertel der Saison ein schlicht überraschendes und phänomenales Ergebnis.Doch wer geglaubt hätte, ein Ergebnis wie dieses sei nicht zu übertreffen wurde bereits ein Jahr später eines besseren belehrt: mit “Im Tal des Todes” konnte man begleitet von guten Wetterbedingungen insgesamt 346.677 Besucher in die Arena locken. Innerhalb von nur drei Jahren gelang den Verantwortliche, die Besucherzahl um rund 20% zu steigern. Phänomenal!

 

Eine kleine Übersicht der Spielzeiten:

2010 – Halbblut
2011 – Der Ölprinz
2012 – Winnetou II
2013 – Winnetou I
2014 – Unter Geiern – Der Geist des Llano Estacado
2015 – Im Tal des Todes
2016 – Der Schatz im Silbersee
2017 – Old Surehand
2018 – Winnetou und das Geheimnis der Felsenburg
2019 –